Was ist Lomography? – Ist das Kunst oder kann das weg?

Lomography wird von den einen verpönt und von den anderen gefeiert. Worum es sich da genau handelt erkläre ich euch hier in diesem Beitrag.

 

Lomography wurde von ein paar Wiener Studenten 1991 begründet. Der Name stammt von einer kleinen sowjetischen Kamera namens Lomo LC-A. Es war keine besondere Kamera, doch durch ihre günstige Bauweise traten Lichtfehler und ähnliches auf. Dies sahen die Studenten als künstlerische Eigenschaft an, die jede Kamera einzigartig machte, da immer andere “Effekte” auftraten. Diese Studenten begründeten später das Unternehmen Lomography, dass mit der gleichnamigen künstlerischen Form der Fotografie eng verbunden ist. Wie ihr euch also denken könnt, sind hierfür alle möglichen günstigen analogen Kameras dafür geeignet.

 

Die goldenen Regeln

Es gibt genau zehn goldene Regeln für das Fotografieren. Diese wurden aufgestellt um besser klar zu machen worum es eigentlich geht. Hier also für euch die Regeln:

1. Nimm deine Kamera überall mit hin.

Und damit ist gemeint immer und überall! Wer weiß ob nicht auf dem Stillen Örtchen ein wunderschönes Kakerlaken-Model auf euch wartet. Vielleicht ist auch das Gesicht eures Hundes beim Wasserlassen, als Doppelbelichtung mit einem Wasserfall das neue Meisterwerk. Sicher könnt ihr euch da nie sein, also immer schön die Kamera einpacken.

2. Benutze die Kamera zu jeder Tageszeit

Ja okay, diese unterscheidet sich nicht viel von der ersten Regel. Wer seine Kamera immer dabei hat sollte natürlich auch ständig Fotografieren. Egal ob es nun Tag, Nacht oder irgendwas dazwischen ist. Licht gibt es doch immer irgendwie, Blitz, Smartphone, Feuerzeug, völlig egal, Hauptsache ein Foto.

3. Lomography ist keine Unterbrechung des Alltags / Leben sondern ein Bestandteil davon

Die Kamera begleitet dich ständig und ist immer präsent, somit wird sie auch zum Teil deines Lebens. Der Alltag wird nicht unterbrochen, sondern die Fotografie zieht in diese ein. Geh einfach ständig und überall jedem mit deiner Kamera auf den Sack. Echte wütende Emotionen lassen sich so gut einfangen. Damit wären wir auch bei der nächsten Regel:

4. Komm dem Objekt der Begierde so nah wie möglich

Sei kein Spanner sondern nähere dich deinem Ziel. So bist du z.B. auch gezwungen mit den Menschen zu interagieren, mit ihnen zu reden. Mit dieser Regel kommt ihr aus eurer Komfortzone heraus, es ist leicht sich hinter einem großen Zoom zu verstecken. Bei der Wildtierfotografie kommt dann auch ordentlich Bewegung ins spiel. Versucht mal mit so einem Reh mit zu halten und dabei auch noch die Kamera ruhig zu halten. Ich habe es versucht, hier ein Bild vom Ergebnis:

5. Nicht denken! 

Oder auch: Kopf zu Augen auf! Nicht nachdenken beim abdrücken des Auslösers. Anders als bei der normalen Fotografie ist es hier nicht gewollt groß auf irgendetwas zu achten. Im Vordergrund steht der Spaß, also denkt nicht nach sondern Knipst einfach drauf los. Natürlich solltet ihr auch fokussieren und könnt auch Einstellungen machen. Doch soetwas dauert viel zu lange denn:

6. Sei schnell! 

Nicht nachdenken und schnell das gewünschte Ziel fotografieren, keine Rücksicht auf Verluste oder Verletzte. Okay vielleicht ohne die Verletzten, aber trotzdem schnell. Wie gesagt, die Rehe halten nicht für euch an, da müsst ihr euch schon anstrengen.

7. Du musst nicht vorher wissen was auf den Film kommt

Da du die ersten Regel ja schon befolgst, erledigt sich das schon von ganz alleine. Ohne denken und mit der richtigen Schnelligkeit musst du gar nicht wissen was du da denn fotografierst. Sei spontan, mach dir keinen Kopf was du fotografieren möchtest, sondern knipse schön fröhlich was dir vor die Linse kommt.

8. Hinterher musst du es auch nicht wissen

Was ist das den für ein Bild? Komplett verschwommen und ein totaler Farbenwirrwarr. Egal sieht geil aus, kommt an die Wand! Das ist das schöne in der Lomography, ihr könnt euren Kopf komplett ausschalten und guckt was passiert. Durch diese losgelöste Art der Fotografie, finden sich oft ein paar lustige oder schöne Bilder mit denen ihr gar nicht gerechnet habt.

9. Immer locker aus der Hüfte

Steht nicht steif in der Gegend rum oder guckt nicht immer durch den Sucher. Fotografiert einfach nach Gefühl, aus der Hüfte, wie der Cowboy beim Showdown. Schießt die Leute mit eurer billigen Lomo-Kamera über den Haufen und das ohne auch nur zu zielen. Und nun zur letzten aber wichtigsten Regel:

10. Lass dir von niemandem etwas über “goldene Regeln” erzählen!

Ja richtig, ihr habt bestimmt auch schon von diesen Regeln gehört, aber darauf könnt ihr pfeifen. Macht euer Ding und zwar so wie ihr es wollt. Lasst euch von niemandem etwas erzählen, vor allem nicht über Lomography und irgendwelche Regeln. Denn bei der Lomography geht es wie ihr sicher gemerkt habt darum los zu lassen und sich abseits der üblichen Pfade zu fotografieren.

 

Kritik der bösen Hater

Kritiker oder heutzutage auch böse Hater genannt, behaupten dass dies alles nur eine Ausrede für schlechte Knipserei ist. Bei der ersten lomographischen Kunstausstellung 1992, standen viele Russen verwirrt und kopfschüttelnd vor den Bildern. Tja haters gonna hate… Mir persönlich gefällt es schon sehr gut, da die Regeln an den Discordianismus aus dem Roman “Illuminatus!” von Robert A. Wilson erinnern. (Eine meiner Lieblings-Trilogien.) Das ganze ist im Prinzip ein Witz, total gaga und somit genau mein Ding. Natürlich renne ich nicht ständig mit einer alten analogen Kamera herum, aber ab und zu zu ungezwungen zu fotografieren macht Spaß.

 

Kameras von Lomography

Die Firma verkauft inzwischen viele verschiedene Kameras. Unter anderem durfte ich einmal mit der Lomo Instant Wide fotografieren, der Link führt euch zu dem Bericht. Selbst habe ich auch die La Sardina und mit beiden Kameras macht es ziemlich Spaß zu fotografieren. Hater könnten jetzt nörgeln das die Kameras bei Lomography nicht gerade billig sind, doch das muss jeder für sich wissen. Die Kameras haben kleine Extras die z.B. Doppelbelichtung und ähnliches vereinfachen. Gerade die Sofortbild-Kamera war sehr cool mit ihren kleinen Spielereien wie wechselbaren Objektiven und besagter Doppelbelichtung. Was bei solchen Kameras nicht unbedingt üblich ist, wie der ein oder andere von euch sicherlich weiß. Aber die Lomography kann natürlich auch mit einfachen billig Kameras vom Flohmarkt betrieben werden.

 

Was haltet ihr von der ganzen Geschichte, findet ihr das ganze interessant oder denkt ihr euch: “Da haben ein paar Studenten eine schlaue Idee gehabt um Geld zu machen.”? Der ein oder andere hat aber vielleicht auch schon die meditative Kraft des kontrollierten nicht Denkens für sich entdeckt?

 

 

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Hey, mein Name ist Felix und zusammen mit Flying Eve als Co-Autorin schreibe ich hier auf sik-life.de. Ich Fotografiere, schreibe und reise sehr gerne. Außerdem mache ich ab und zu Youtube-Videos. Bei Sik Life dreht sich alles darum das Leben zu genießen. Think positiv!

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