Fontana di Trevi – zwischen Hektik-Asiaten und Charmebolzen-Italienern

Wer sich den weltweit bekannten Fontana di Trevi aka Trevi Brunnen in Rom anschauen möchte, sollte unbedingt genügend Kleingeld in der Tasche haben. Eine romantische Legende besagt nämlich, dass es Glück bringt, wenn man mindestens ein Geldstück über die rechte Schulter in den gigantischen Wunschbrunnen wirft.

 

Aber Vorsicht:

drei geworfene Münzen bringen nicht das gleiche Glück, wie eine! Nein, nein – sooo leicht, ist es nun auch wieder nicht! Wenn man ein einziges Geldstück wirft, wird man eines Tages nach Rom zurückkehren. In einen Italiener (oder eine Italienerin) wird man sich verlieben, wenn man eine zweite Münze wirft. Folgt daraufhin ein drittes Geldstück wird man seinen Liebsten (oder seine Liebste) heiraten. Klingt kinderleicht, oder?

Bestimmt hat sich sogleich ein wundervolles Bild in deinen verträumten Kopf eingeschlichen, als du von dem Trevi Brunnen gelesen hast: ein blauer, wolkenloser Himmel, warme Sonnenstrahlen auf deiner Haut, das Plätschern des eindrücklichen Brunnens…Ja, wir alle kennen den 50 Meter breiten Brunnen aus kitschigen Schnulzen, in welchen zwei Liebende auf einer Vespa durch die Strassen brausen oder gar ein nächtliches Bad in der Fontana di Trevi nehmen. Auch die wunderschönen Fotografien des Meisterwerks zeigen uns einen menschenleeren Platz mit dem imposanten Brunnen im Zentrum.

Versteh mich bitte richtig; ich wollte keine Vespa, wollte kein nächtliches Bad nehmen und schon gar nicht mein Kleingeld über die rechte Schulter werfen. Nein, bescheiden wie ich bin *hust hust* wäre ich mit einem wunderschönen Foto des Brunnens, wie man es eben von Google, Wikipedia, Flickr und Co kennt, schon völlig zufrieden gewesen – aber dies allein schien schlussendlich schon zu viel verlangt zu sein – doch ich möchte von vorne beginnen:

 

Der Schein trügt

Im Juni 2017 verbrachten mein Freund und ich ein verlängertes Wochenende in Italien – zuerst in Rom, dann in Florenz. Wir hatten, Dank der überteuerten Hop on Hopf off – Busse, schon einiges von der Stadt gesehen und freuten uns auf ein weiteres Highlight: den sagenumwobenen Trevi Brunnen. Es war wirklich ein wunderschöner, heisser Tag. Die Sonne schien hell am beinahe wolkenlosen Himmel und ich war überglücklich (wie immer, wenn ich nicht im Büro sitze). Nachdem wir ohne langes Anstehend schnurstracks ins beeindruckende Kolosseum gehen konnten, waren wir positiv gestimmt, auch hier wenig Touristen anzutreffen. Tja, was soll ich sagen – die Realität sah, wie schon so oft, schlussendlich leider komplett anders aus.

Vor dem Brunnen tobten eine Horde kamerageiler Asiaten, Schnulzenpärchen, einige Single-Ladies, welche verzweifelt versuchten, ihr Kleingeld über die Schultern zu werfen, und natürlich die für Recht und Ordnung sorgenden Carabinieris. Mein Freund und ich blieben etwas schockiert stehen und beobachteten das Getümmel aus sicherer Entfernung. Wie zum Geier sollte man unter diesen Umständen ein tolles Bild hinbekommen? Und wie sollen all die einsamen Herzen ihre Münze(n) hineinwerfen können, wenn sie sich zuerst einen Weg an den Rand des Brunnens bahnen müssen? Ich hatte definitiv keine Lust, mich in die Menschenmenge zu drängen und mit den unter Zeitdruck stehenden Asiaten um ein Foto zu streiten!

 

Tut mir leid Eve, der Trevi Brunnen hat heute leider kein Foto für dich.

 

 

Ein wenig deprimiert beschloss ich daher, das zu Beginn erwähnte Kleingeld in leckere Gelati zu investieren. Wer will schon ein weiteres Mal nach Rom, nachdem man einen solchen Anblick serviert bekommen hat? Verliebt in einen Italiener war ich auch schon (sogar mehrmals) und heiraten kommt für mich sowieso nicht in Frage – also her mit den Kalorien! Ich betrat die Gelateria und wurde wieder mit herumwuselnden Asiaten konfrontiert. Alles musste fotografiert werden, die Auswahl war zu gross (oder zu klein – vielleicht fehlte ihnen das Ingwer-Eis?) und so konnten sich die beliebten Schlitzaugen nicht entscheiden, was sie denn nun nehmen sollten.

Als ich endlich an der Reihe war, bestellte ich auf Italienisch die Gelati, was augenblicklich dazu führte, dass sich der gehetzte Verkäufer zu einem charmanten Italiener entpuppe. Mit seinem schönsten Lächeln drapierte der braungebrannte, dunkelhaarige Südländer kunstvoll die Eiskugeln aufeinander, steckte je eine Waffel dazu und verrechnete mir knapp 3 Euro weniger, als auf der Karte standen.

Zufrieden grinsend verliess ich die Gelateria und erklärte anschliessend meinem Freund voller Stolz, dass ich genau DAS so sehr an Italien liebe. Die charmanten Südländer wissen es einfach zu schätzen, wenn man sich Mühe gibt und ihre wunderschöne Sprache aneignet. Bei so viel Charme und köstlichem Eis lässt es sich super über die hektischen Gelbgesichter sowie alle anderen Foto- und Münzwerfjunkies hinwegsehen.

 

 

Etwas möchte ich aber an dieser Stelle noch all den einsamen Wesen da draussen ans Herz legen: Wenn du einen Italiener/eine Italienerin heiraten willst und Rom eine tolle Stadt findest, dann erlerne die italienische Sprache, schnapp dir dein Kleingeld, schwing deinen Hintern nach Rom und in eine Gelateria (oder von mir aus auch Pizzeria, ganz wie du willst), kauf dir etwas zu Essen und flirte dabei hemmungslos auf Italienisch mit dem Verkäufer/der Verkäuferin/dem Servicepersonal! Von nichts kommt nichts, also nimm dein Schnulzen-Schicksal selbst in die Hand!

 

Buon viaggio e a presto!

Flying Eve

 

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Ich bin Flying Eve und die Co-Autorin von Felix. Mein Spezialgebiet umfasst alles zum Thema Reisen. Wenn ich nicht gerade am Texten oder unterwegs bin, mache ich Sport (Kampfkunst, Reiten, Fitness). Meine grössten Schwächen sind ausserdem Bandmerch, Kaffee von Starbucks, Musik bzw. Konzerte, Schuhe, Autos und Games.

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